
So, ganze zwei Tage (bzw etwa 5Stunden) habe ich gebraucht um das erste Buch um die sympathische Hobbydetektivin Maggie Abendroth zu lesen. Ich war doch etwas verunsichert, weil bei Amazon doch der eine oder andere kritische Kommentar zu lesen war. Aber weil ich mal wieder Lust auf nen netten Krimi hatte hab ich dann aus meinem Repertoire (Noch ungelesen Ecke beinhaltet aktuell: Colin Bateman: "Ein Mordsgeschäft" und Hideo Okuda: "Die merkwürdigen Fälle des Dr. Irabu", sowie das eine oder andere angefangene Buch, wobei klar ist, wenn ichs nich auslese is es nich so dolle.) zu Minck & Minck gegriffen.
Und das ist sowas von ein Volltreffer! Ich möchte sagen, dass Maggie Abendroth die Stephanie Plum aus Bochum ist! Sowas von herrlich! Schon das erste Kapitel hat mich sooo umgehauen und das is das ganze Buch so!
"Meine Reise in die Bedeutungslosigkeit begann an einem dieser derart wunderschönen Spätsommertage, dass mir in meiner Situation zwangsläufig schlecht davon werden musste. Die Augustsonne schien laut und grell aus vollem Halse, während in meinem Innern die Königin der Nacht >Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen< skandierte, da klingelten auch schon die Studis vom Jobservice, die ich in einem Anfall von Luxussehnsucht engagiert hatte. Man kann nicht behaupten, dass an diesem Tag viel Hausstand bewegt werden musste. Da ich weder Kunstwerke noch Aktien noch Immobilien besaß, hatte ich bereits mein geliebtes Multi Ligne Roset Schlafsofa und meinen Flachbildfernseher inklusive DVD Player an einen geizigen Oberstudienrat veräußert, der mir mit jedem seiner Worte und Gesten vermittelte, was er von einer im Penthouse wohnenden Medienfuzzi-Liesel wie mir hielt.
[...] Wenn ich mein verbliebenes Budget durch eine vier quadratmeter große rosarote Brille betrachtete, reichte es gerade eben noch für einen Minifernseher aus dem Media Markt. Ich hatte mich entschieden, lieber das Sofa zu verkaufen und dafür meinen alten schwarzen Opel Kadett zu behalten. Mobilität ist Freiheit, auch wenn ich bald nicht mehr das Geld haben würde, mir Benzin zu kaufen. Das Auto, hatte ich beschlossen, musste bei mir bleiben, und wenn ich es nur jeden Tag anschauen und wissen würde, dass ich damit wegfahren
könnte, wenn ich Benzin kaufen
könnte.
Kaum, dass die beiden Grobmotoriker meinen arg zusammengeschrumpften Hausstand aus 150qm über den Dächern von Köln hinaus und 80km weiter in Bochum in meine neuen 22 Souterrain-qm, inklusive Küchenzeile und Duschbad, hinabgetragen hatten, fing es prompt an zu regnen.
[...] Nachdem Dipl.-Paed. Beavis und Butthead endlich gecheckt hatten, dass ich weder zu Gesprächen noch zur Zubereitung von Kirschblütentee bereit und schon gar nicht auf Trinkgeld anzusprechen war, hatten sie sich murrend getrollt.
Dann war ich plötzlich allein, stand an meinem vergitterten Souterrainfenster und sah den Regentropfen zu, wie sie in den Vorgarten, in den mein einzig möglicher Blick ging, klatschten. [...] Gab es dafür eigentlich einen filmischen Fachterminus? Wahrscheinlich so: He, Kameramann, mach mir mal ne Unterirdische. Ich will, dass so voll fett die Beklemmung rüberkommt. Oscarverdächtig!"
Nachdem Drehbuchautorin Maggie also ihr neues Singelleben in Bochum begonnen hat, sich genügend Gedanken über ihr bisheriges Leben - flatterhafter Knipser-Exfreund, ne fette Schreibblockade, dazugehöriger versauter Tatort Deal und der totale Absturz aus der Kreativszene - gemacht hat, fällt ihr der zerknüllte Brief vom Arbeitsamtman in die Hände. Darin ein morbides Jobangebot, dass nach einem deprimierenden Gedanken an das finanzielle Restrisiko dann wenigsten abgewogen und später dann doch in Angriff genommen wird. Unerwarteter Weise bekommt sie die Stelle in dem Beerdigungsinstitut Pietät Sommer ohne Probleme. Probleme machen ihr dagegen die Leichen im Keller, der wortkarge, finnische Thanatopraktiker Matti, ihr kugelfischgesichtiger Cheff Sommer und eindeutig viel zu viele...- Fusseln. Fusseln haben in Gesichtern von Verstorbenen nichts zu suchen, vor allem nicht, wenn komischerweise alle Fusselopfer anonym bestattet werden, die Alten immer von der selben verdächtige Pflegerin "Schwester Beate" betreut wurden und der Begünstigte der Sterbeversicherung eine dubiose Firma namens B&B ist. Zusammen mit dem total besoffenen Witwer und Ex-Cop Kostnitz, dem smarten Komissar Baschke und einer Neugier, die aller Raben tot ist, eine absolut explosive Mischung!
Also ich kann es kaum erwarten mir den zweiten, dritten und mittlerweile vierten Teil der Maggie Abendroth Serie zuzulegen! Neben Janet Evanovichs "Kuss mit Soße" und Collin Cotterills "Briefe an einen Blinden" gehören die drei wohl zu denen, nach denen sich meine Augen die Wimpern lecken ;)

