
Ja, unglaublich, aber man erfährt durch das gesamte Buch "Ein Mordsgeschäft: Mord, Anarchie und verdammt heiße Hosen" von Colin Bateman nicht den Namen dieses neurotischen Krimiliebhabers, der in Belfast ein kleines Geschäft mit dem Namen "Kein Alibi" besitzt, dass sich - man könnte es erahnen - ausschließlich dem Krimigenre widmet. Es fällt auch gar nicht unangenehm auf, genau genommen ist es mir erst beim verfassen dieses Eintrags aufgefallen, auch alles googeln konnte da meinem vermeintlich miesem Gedächtnis nicht auf die Sprünge helfen.
Aber eins nach dem anderen.
"Wenn mich private Probleme runterziehen, finde ich immer Trost in meiner Arbeit, entweder im nie endenden Ringen um das Überleben des Buchladens oder in meiner Teilzeitbeschäftigung als Ermittler in mysteriösen Kriminalfällen. [...] Manchmal kommt es allerdings zu gewissen Überschneidungen, und ich sehe mich genötigt, meine detektivischen Fähigkeiten auf persöhnliche Probleme anzuwenden. So verspürte ich vor ein paar Wochen ein ziemlich beunruhigendes Brennen in meinen Achselhöhlen. Anfänglich war ich überzeugt, einer meiner dämonischen Widersacher hätte einen Giftanschlag auf mich verübt. Jeder andere Verbrechensbekämpfer mit solchen Schmerzen hätte natürlich sofort das Gesundheitsamt verständigt und auf eine Strahlungsmessung bestanden oder zumindest die Notfallambulanz des nächsten Hospitals aufgesucht. Da jedoch die Batterie im Kein-Alibi-Lieferwagen streikte und mein Allgemeinarzt mir bei verschiedenen Gelegenheiten erklärt hatte, wie voll sein Terminkalender war, beschloss ich stattdessen Ruhe zu bewahren und nüchtern die Fakten zu studieren. Eingehend analysierte ich die Situation, die Umstände, das Timing - und kam nach gründlicher Überlegung zu dem Schluss, das ich, weil ich morgens nach dem Duschen nicht gleich die Brille aufsetzte, in Wahrheit kein Deodorant auf meinen dampfenden Körper gesprayt hatte, sondern Fensterreiniger."
Das ist nur eine der netten Anekdoten, die den Alltag dieses Mannes ausmachen, der gerne die kleinen unbedeutenden und vor allem ungefährlichen Fälle übernimmt, die sein Nachbar, der eine Detektei betrieb bevor er verschwand eben aufgrund dessen nicht zur Befriedigung seiner Kunden vollenden konnte. So kommt er verschwundenen Lederhosen auf die Spur, einem Graffitisprayer mit enthüllungsjournalistischen Ambitionen und auch einer verschwundenen Freundin mit Segelohren. Aber einer seiner neuen Fälle übersteigt dann doch bei weitem den Bewegungsradius eines Neurotikers mit (u.a.) Reiseparanoia. Aber um seinen Schwarm aus dem Juwielierladen gegenüber zu beeindrucken hängt er plötzlich mitten drin im Schlamassel. Und gemeinsam mit ihm stecken in diesem Schlamassel eben diese Frau (Allison) und im Laufe der Zeit schnell eine verschwundene Frau und eins, zwei, drei, vier Leichen. Auch kommt es in diesem Zusammenhang nicht gerade unverdächtig daher einen Lieferwagen zu fahren, auf dem eine Leichenkreidezeichnung abgebildet ist und groß und breit "Kein Alibi - Mord ist unser Geschäft" drauf steht... ;)
Am Anfang war ich etwas enttäuscht, dass sich das Buch nur mit kleinen abgeschlossenen Fällen beschäftigt und somit mehr eine Art Kurzgeschichtensammlung zu werden schien. Aber schnell merkt man dann, dass da noch mehr kommt. Der Hauptfall ist bis zum Schluss spannend (Wenn auch an einigen Stellen zumindest die Mordopfer zu vorhersehbar platt gemacht werden). Die Charaktere sind amüsant ausgearbeitet und bieten jederzeit platz für Slapstick, wobei der Vorreiter natürlich unser unbekannter Buchladenbesitzer ist.
"Der ältliche Schlaganfallpatient kehrte ins Wartezimmer zurück, entdeckte mich, und obwohl ich demonstrativ wegblickte, schlurfte er herbei um sich neben mich zu setzen.
>>Immer noch da?<<, fragte er.
>>Sieht so aus<<, erwiederte ich.
Ich seufzte. Dann hielt ich ihm seine Tüte mit Nüssen hin.
Er schüttelte den Kopf. >>Hab doch gesagt ich mag die Dinger nicht. Die Schokoloade war allerdings nicht schlecht.<<
>>Wie bitte?<<
>>Ich hab die Schokoladenumhüllung abgelutscht und sie dann wieder zurück in die Tüte gepackt. Ich hasse es Essen verkommen zu lassen.<< Einen Moment lang nickte ich, dann erhob ich mich wortlos und rannte auf die Toilette, wo ich mich übergab."
Also ich freue mich bereits auf seinen neuen Band "Hundeelend: Spione, Graffiti und verdammt tote Köter", der laut Amazon am 12.März 2012!!! ja dann bald erscheint XD